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Press lounge - Publications - Power-Package - Munter-bunter Polo mit "G-waltigen" 237 PS

Kleines Auto - große Leistung: So oder ähnlich ließe sich der VW von Jochen Böttcher charakterisieren. Kurz und gut: Sein Polo hat es faustdick unter der Haube. Doch das ist beileibe nicht alles! Grell lackiert und gierig gestylt, mutiert der Wolfsburger vollends zum automobilen Aufreger.

as lange fährt, wird endlich gut. Dieses abgewandelte Sprichwort trifft voll auf Jochens Rennsemmel zu. Denn Summa summarum schraubt der Polo-Fan nun schon seit gut vier Jahren an seinem Projekt. Ihren Anfang nahm die Geschichte mit einem herben Schicksalsschlag, als ein Unfall das damalige Gefährt - ebenfalls ein gefitteter 2F - schachmatt setzte. Diagnose: Totalschaden. Ein neues Auto musste her. Natürlich wieder ein Polo. Natürlich wieder getunt. Diesmal aber wollte Jochen alle Register ziehen und das Maximum aus dem Flitzer herauskitzeln. Als Bastel-Basis diente ein G40 aus zweiter Hand.

Zunächst stand die Umgestaltung der Karosserie auf dem Plan. Der Body wurde gecleant, die Motorhaube verlängert und mit GSI-Lufteinlässen versehen. Angedickte Radhäuser, üppige Seitenschweller und ein wuchtiges Schürzenkleid Marke Eigenbau blasen den in ein freches Orange getunkten Kleinwagen zum pfundigen Pummelchen auf. M3-Außenspiegel, Einarmwischer, Fadenkreuz-Scheinwerfer von in.pro. und Blenden über den Rückleuchten vom selben Hersteller steuern coole Details zum dynamischen Design bei.

Im Winter 2001 war die Metamorphose zur geballten Faust auf Rädern weitestgehend abgeschlossen. Freilich fehlte es dem Polo noch am nötigen Punch. Ein im gleichen Jahr nachgerüsteter RS2-G40 sollte dem Treibsatz in Zusammenarbeit mit einem 68er Laderrad, geänderter Ansaugbrücke, modifiziertem Ansaugtrakt und feurigem Chip die nötigen Muskeln antrainieren. "Fürs erste war ich auch zufrieden", erinnert sich der 24-Jährige an die damalige persönliche Bestform des VW. Somit konnte Jochen sich zunächst neuen Aufgaben zuwenden. Im Innenraum fand er ein reiches Betätigungsfeld, das ihn über den ganzen Winter 2002/03 in Beschlag nahm. Als der Polo zu Beginn der darauffolgenden Saison wieder aus der Werkstatt rollte, präsentierte er sich innen völlig verwandelt: Der Armaturenträger war teilweise lackiert, ferner verfügte er nun über Recaro-Sitze sowie ein Isotta-Lenkrad, und die komplette Lederausstattung zeigte sich in Wagenfarbe. Zudem bereichern VDO-lnstrumente für Ladedruck und Öltemperatur sowie der Eigenbau-Schalthebel mit gekürztem Schaltgestänge das Cockpit um weitere Motorsport-Akzente. Des weiteren setzt eine effektvolle Lightshow (indirekte Innenraumbeleuchtung, Einstiegsleuchten, weiße LEDs für Armaturen, Tacho und Zusatz-Instrumente) das herrliche Innenleben ins rechte Licht.

Und weil man es am guten Ton ja gleichfalls nicht fehlen lassen darf, brachte der Anwendungsentwickler eine fett bestückte Car-HiFi in Stellung. Seither erfüllt der Zusammenklang von Pioneer-Tuner, JBL-End-stufe und Lautsprechern von Crunch, Earthquake sowie Vocal die Kabine mitfeinem grandiosen Sound. Alles in allen hatte Jochen eine Konzeption realisiert, mit der es sich eigentlich ganz gut leben und lenken ließ - wenn in dem Polo-Piloten nicht die Lust auf mehr Leistung erwacht wäre. "Die Performance war eigentlich ganz okay", resümiert der unermüdliche Hobby-Bastler. "Aber eben nicht wirklich außergewöhnlich", fügt Jochen selbstkritisch an.

Also machte er sich in der Winterpause 2003/04 nochmals über den Motor her. "Das war eine Aktion mit Höhen und Tiefen", schildert der Schrauber den wechselvollen Verlauf des Triebwerk-Tunings. Insgesamt zogen sich die Arbeiten mit nachfolgenden Testphasen und erforderlichen Nachbesserungen über ein Jahr hin. Eine lange Zeit. Allerdings gab's auch eine Menge für Jochen und die ihm zur Seite stehenden Helfer zu tun. "Da schulde ich vielen großen Dank", betont der Polo-Pilot und beginnt sogleich die Lobes-Liste abzuarbeiten. Auf ihr finden sich die Schrauber-Kollegen Roland List und Gerald Brückner ebenso wie die lieben Verwandten, Gerd Zeiher und die Firmen Herzog, Sorg-Motorsport sowie Rüddel-Motorsport.

Doch zurück zu den technischen Innereien. Kurbelwelle, Pleuel und Schmiedekolben waren speziell anzufertigen. Ferner kommen jetzt ein G60-Lader nebst geändertem Laderad und modifizierter Bypass-Führung zum Einsatz. Ein geweiteter und polierter Zylinderkopf, Schrick-Nockenwelle, Chip, Sorg-Metallkopfdichtung, natriumgefüllte Ventile (zwecks Kühlung des Schaftes) und die optimierte 3F-Ansaugbrücke vervollständigen die Kraftkur. Jochen fährt die 1500-ccm-Maschine mit einem Ladedruck von 1,3 bar und verfügt damit über ein urgewaltiges Potenzial von sage und schreibe 237 PS.

Da ist es nur folgerichtig, dass er mit Hilfe von polierten und verchromten Parts den Treibsatz für jedermann ersichtlich zur technischen Glanzleistung krönte. Prächtig putzte Jochen auch die voll verchromten 18er Schmidt-Alus raus. Bestückt sind sie mit Contis (195er vorne und 215er hinten), denen der bullige Body wegen seiner Tieferlegung durch ein FK-Gewindefahrwerk gehörig auf die Pneu-Pelle rückt. Richtig zusetzen vermag dem Power-Polo aber nur die zupackende Bremsanlage (gelochte Sandtler-Scheiben vorne und 16V-Anlage hinten). Anders wäre dieses munter-bunte Energiebündel kaum zu bändigen!

 

Quelle: VW Scene, Ausgabe 08/2005, S. 130ff